BORGATE

MOSAIK MÉCANIQUE

A1B2C3

NOTES ON FILM 02

DOMINO

PIANO PHASE

I.E.

NOTES ON MAZY

NOTES ON FILM 01 ELSE

QUADRO

36

TRAXDATA

SANTORA

Notes on Film 02


Video, 96 min, 2005
mit Ursula Strauss, Lutz Wiskemann
Musik: Bernhard Lang
Kamera: Dariusz Kowalski
Realisierung: Norbert Pfaffenbichler

Im Trugbild beruht die Wiederholung bereits auf Wiederholungen, beruht die Differenz bereits auf Differenzen. Es wiederholen sich die Wiederholungen, es differenziert sich das Differenzierende. (Gilles Deleuze)

Dieses Experiment zum Thema „Differenz und Wiederholung“ verknüpft Methoden des strukturellen Films mit Elementen des narrativen Kinos. Ausschnitte aus dem Leben eines heterosexuellen Paares werden anhand eines simplen alphanumerischen Montageprinzips seriell geordnet.

Als inhaltliche Vorlage diente Robert Franks Film „O.K End Here“ (USA 1963). Dieses Werk ist offensichtlich stark vom italienischen Regisseur Michelangelo Antonioni beeinflusst. Frank versuchte Antonionis Filmsprache in seine eigene Lebensumwelt, das New York der "Beat Generation" zu transferieren, wobei er sich kaum um filmische Konventionen kümmerte und höchst eigenwillige Bildkompositionen und Schnittfolgen produzierte. Die Motivation für N. o. F. 02 auf dieses Werk zurückzugreifen liegt einerseits darin begründet, das schon die Vorlage den Versuch einer formalästhetischen Übertragung beinhaltet und andererseits in dessen vorsätzlicher Missachtung des herkömmlichen filmischen Regelwerks. N. o. F. 02 enthält darüber hinaus weitere Referenzen auf Klassiker der späten Moderne. Dieses Mosaik aus Zitaten dient dazu, generell die Funktionsweisen von bewegten Bildern zur Disposition zu stellen.

Das Element der Wiederholung ist dem Medium Film in mehrerlei Hinsicht eingeschrieben. Zweck des filmischen Apparates ist unter anderem die identische Repetition des Immer-gleichen. Die stupide, mechanische Wiederholung wird bei N. o. F. 02 zum Grundgerüst der elliptischen Er-Zählung. Bei Dreharbeiten müssen die Akteure vor der Kamera jede Szene oftmals spielen, RegisseurIn und CutterIn entscheiden später am Schneidetisch, welcher Take Eingang in das Werk finden wird. Diese Entscheidung wird bei N. o. F. 02 im Sinne eines offenen Kunstwerks teilweise an das Publikum delegiert. Ein möglichst offenes System wird in ein möglichst starres implementiert. Beim Schneiden eines Filmes muss dieser zwangsläufig in Teilabschnitten unzählige Male gesichtet werden, wodurch sich die Aufmerksamkeit vom Inhalt auf formale Details verlagert. Die Laufbilder werden dadurch in gewissen Sinn abstrakt und diese Erfahrung zu machen wird bei N. o. F. 02 auch dem Publikum ermöglicht. Im kommerziellen Kino werden die selben Geschichten mit denselben Mitteln ständig neu variiert. Die permanente Wiederholung des bereits Bekannten und Bewährten ist Konsequenz der Logik des Marktes. Dramaturgischen Gesetzen folgend streben die allermeisten Spielfilme mehr oder minder geradlinig auf einen bestimmten Endpunkt zu. Diese narrative Linearität wird in N. o. F. 02 durch die primitive, serielle Montageform karikiert. Durch die extreme Sprödheit des Videos wird eine radikale Gegenposition eigenommen zu den audiovisuellen Produkten der Unterhaltungsindustrie, ebenso wie zu ästhetizistischen Tendenzen der zeitgenössischen - fälschlicherweise so bezeichneten - "Avantgarde". N. o. F. 02 "funktioniert" nicht, weil es nicht die Aufgabe experimenteller Filmkunst sein kann zu funktionieren bzw. sich funktionalisieren zu lassen. Die Musik zu diesem Konzeptfilm stammt vom Komponisten Bernhard Lang.

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